Katalanische Sprache: Was sie ist, wo man sie spricht, wer sie kann
Wer einmal in Barcelona oder auf Mallorca war, kennt das: Auf den Schildern steht Sortida statt Salida, im Radio klingt es irgendwie nach Spanisch, aber auch nach Französisch, und trotzdem versteht man wenig. Das ist Katalanisch (català). In diesem Artikel erfährst du, was die katalanische Sprache eigentlich ist, wo sie gesprochen wird, wie viele Menschen sie verstehen und warum sie für Deutschsprachige gar nicht so weit weg ist, wie es zunächst scheint.
Ist Katalanisch ein spanischer Dialekt?
Nein. Das ist das hartnäckigste Missverständnis. Katalanisch ist eine eigenständige romanische Sprache, die sich wie Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch aus dem gesprochenen Latein entwickelt hat. Diese Sprachen sind Geschwister, keine ist die Tochter der anderen.
Katalanisch hat eine eigene Grammatik, eine einheitliche Rechtschreibung, eine Akademie, die die Norm festlegt (das Institut d'Estudis Catalans), und eine Literatur, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Der mallorquinische Gelehrte Ramon Llull schrieb im 13. Jahrhundert philosophische Werke auf Katalanisch, zu einer Zeit, als viele europäische Sprachen kaum schriftlich verwendet wurden.
Wo wird Katalanisch gesprochen?
Das Sprachgebiet ist größer, als viele denken, und verteilt sich auf vier Länder:
- Katalonien (Spanien): Amtssprache neben Spanisch; Barcelona ist die größte katalanischsprachige Stadt.
- Region Valencia (Spanien): Dort heißt die Sprache Valencianisch (valencià). Es ist dieselbe Sprache, mit eigenen Besonderheiten in Aussprache und Wortschatz, ungefähr so, wie sich das Deutsch in Wien von dem in Berlin unterscheidet.
- Balearen (Spanien): Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera, jede Insel mit ihrem eigenen Klang. Wer schon auf Mallorca Urlaub gemacht hat, ist also dem Katalanischen begegnet.
- Andorra: Der kleine Pyrenäenstaat hat Katalanisch als einzige Amtssprache.
- Franja de Aragón (Spanien): ein schmaler Streifen in Aragonien an der Grenze zu Katalonien.
- Roussillon (Frankreich): die Gegend um Perpignan, wo Katalanisch neben Französisch weiterlebt.
- Alghero (Italien): eine Stadt auf Sardinien, in der bis heute eine Variante des Katalanischen gesprochen wird.
Wie viele Menschen sprechen Katalanisch?
Die Zahlen hängen davon ab, was man fragt: verstehen, sprechen oder täglich benutzen. Nach den Erhebungen zum Sprachgebrauch der Generalitat de Catalunya verstehen in allen Gebieten zusammen ungefähr zehn Millionen Menschen Katalanisch, etwas weniger sprechen es. Das sind mehr Menschen, als in so manchem EU-Land mit eigener Amtssprache leben.
Wie klingt Katalanisch, und was erkennst du wieder?
Katalanisch liegt sprachlich irgendwo zwischen Spanisch und Französisch. Wenn du eine der beiden Sprachen aus der Schule kennst, wirst du viel wiedererkennen:
| Deutsch | Katalanisch | Spanisch | Französisch |
|---|---|---|---|
| Nacht | nit | noche | nuit |
| sprechen | parlar | hablar | parler |
| Tisch | taula | mesa | table |
| Fenster | finestra | ventana | fenêtre |
| essen | menjar | comer | manger |
| Morgen (Vormittag) | matí | mañana | matin |
| danke | gràcies | gracias | merci |
Ein paar Besonderheiten:
- Viele Wörter sind kürzer als im Spanischen, weil Endvokale weggefallen sind: nit statt noche, pa statt pan.
- x klingt meist wie unser „sch“: xocolata (Schokolade).
- ny entspricht dem spanischen ñ: Catalunya.
- Der Mittelpunkt in l·l (col·legi, Schule) ist eine katalanische Spezialität und zeigt ein langes „l“ an.
- Unbetonte Vokale werden in Barcelona abgeschwächt, so ähnlich wie das „e“ am Ende von „bitte“.
Für Deutschsprachige gilt: Ohne Vorkenntnisse ist Katalanisch ungefähr so schwer wie Spanisch. Mit Spanisch oder Französisch im Rücken geht es deutlich schneller.
Wörter und Sätze für den Anfang
- Bon dia! – Guten Morgen! / Guten Tag!
- Bona tarda! – Guten Tag! (nachmittags)
- Bona nit! – Guten Abend! / Gute Nacht!
- Si us plau. – Bitte.
- Gràcies / Moltes gràcies. – Danke / Vielen Dank.
- De res. – Gern geschehen.
- Com et dius? – Em dic Lena. – Wie heißt du? – Ich heiße Lena.
- Sóc d'Alemanya / d'Àustria / de Suïssa. – Ich komme aus Deutschland / Österreich / der Schweiz.
- No ho entenc. – Ich verstehe das nicht.
- Quant val? – Was kostet das?
- Adéu! / Fins aviat! – Tschüss! / Bis bald!
Ein kurzer Blick in die Geschichte
Im Mittelalter war Katalanisch die Sprache der Krone von Aragón, die große Teile des Mittelmeers beherrschte. Danach folgten Jahrhunderte, in denen das Spanische in Verwaltung und Bildung dominierte. Im 19. Jahrhundert brachte die Renaixença eine literarische Wiedergeburt. Unter der Franco-Diktatur wurde der öffentliche Gebrauch des Katalanischen stark unterdrückt. Seit der Demokratie ist es wieder in Schulen, Medien und Verwaltung präsent. Deshalb ist die Sprache für viele Katalaninnen und Katalanen auch eine Frage von Identität und Erinnerung.
Warum Katalanisch lernen?
- Wenn du nach Katalonien ziehst, macht Katalanisch im Alltag, im Job und in der Schule deiner Kinder einen großen Unterschied. Dazu haben wir einen eigenen Artikel: Katalanisch lernen, wenn du in Katalonien lebst.
- Für Mallorca-Fans: Wer regelmäßig auf den Balearen ist, versteht plötzlich die Speisekarte in der Dorfbar und das Gespräch am Nachbartisch.
- Als dritte romanische Sprache: Mit Spanisch oder Französisch kommst du schnell voran. Wenn du noch überlegst, welche Sprache zu dir passt, hilft unser Vergleich welche Sprache für Deutschsprachige am leichtesten ist.
- Für die Kultur: Literatur, Musik, Feste wie die castells (Menschentürme) und eine Küche, die weit über Paella hinausgeht.
In Parlumi gibt es einen Katalanischkurs von A1 bis C2 mit Erklärungen auf Deutsch. Und das erste Bon dia beim Bäcker in Barcelona wird fast immer mit einem Lächeln beantwortet.